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Temporär wasserführende Gewässer

Temporär austrocknende Gewässer sind gut für Amphibien
Ohne Wasser kein Leben – aber zwischendurch darf’s auch trocken sein. Der ideale Amphibienweiher trocknet ab und zu aus. Was für Amphibien gilt, trifft auch auf eine Vielzahl anderer aquatischer Organismen zu (z.B. Libellen, Kleinkrebse, Moose, Pflanzen).
Die Feldarbeiten für die Aktualisierung der Roten Listen der Amphibien haben deutlich gezeigt, dass Amphibienarten, welche temporäre Gewässer bevorzugen, sehr starke Bestandeseinbrüche erlitten haben. Was sind die Gründe hierfür?
 
Wieso sind ab und zu austrocknende Gewässer für Amphibien ideal?
Austrocknende Gewässer sind riskant. Trocknet das Gewässer zu früh aus, so sterben alle Kaulquappen und Molchlarven. Damit fällt eine Generation aus. Aber Amphibien haben in ihrer evolutionären Geschichte gelernt, mit solchen Verlusten umzugehen. Entweder sind die adulten Amphibien langlebig, sodass sie sich mehrfach fortpflanzen können. Damit „erwischen“ sie sicher ein Jahr, in welchem der Nachwuchs „durchkommt“. Oder manche Arten produzieren mehr als ein Gelege pro Saison. Die Gelege werden oft auf mehrere Gewässer verteilt. Auch eine solche Strategie kann das Risiko des kompletten Fortpflanzungsausfalls mindern.
Eine weitere Alternative ist, dass Amphibien in Metapopulationen leben, sozusagen eine Population von Populationen, d.h. die Populationen der einzelnen Gewässer stehen miteinander in Verbindung. Wenn also nur in einem Gewässer der Metapopulation Kaulquappen zur Metamorphose gelangen, so können diese Jungtiere in späteren Jahren auch die andern Gewässer wieder besiedeln und verhindern damit, dass die Art in einer Region verschwindet.
 
Aber wieso ein Risiko eingehen, wenn es doch auch dauernd wasserführende Gewässer gibt? Das Austrocknen eines Gewässers eliminiert eben nicht nur die Amphibienlarven, sondern – und das ist entscheidend – auch die aquatischen Fressfeinde der Amphibienlarven, wie etwa Fische, Wasserkäfer- oder Libellenlarven. In einem Gewässer, in welchem es von Fressfeinden wimmelt, haben Amphibienlarven trotz ausgeklügelter Strategien zum Vermeiden von Feinden nur eine geringe Überlebenschance.
 
Wenn ein Gewässer sich nach dem Austrocknen wieder füllt, so ist es geradezu ideal für Amphibienlarven, da keine Fressfeinde mehr da sind. Da schaffen es massenweise Kaulquappen und Molchlarven bis zur Metamorphose. Eine solche Produktion an Jungtieren ersetzt alle Verluste von Jahren, in denen der Weiher zu früh ausgetrocknet ist.
Nicht alle Arten bevorzugen austrocknende Gewässer, etwa die Erdkröte zieht permanente Gewässer vor. Die Kaulquappen dieser Art verfügen über ein Hautgift, welches sie vor Fischen schützt (und wo es viele Fische hat, hat es wenig räuberische Wasserinsekten, welche die Kaulquappen trotz Hautgift fressen würden). Zusätzlich werden Verluste durch hohe Eizahlen (bis 5'000 Eier pro Weibchen) kompensiert.
 

Vereinfacht lässt sich sagen, dass es bei Amphibien zwei Fortpflanzungsstrategien gibt. Ein Teil der Arten bevorzugt temporäre Gewässer und eine Risikostrategie: mal keine, mal sehr viel Nachkommen. Der andere Teil der Arten geht auf Nummer sicher und benutzt dauernd wasserführende Gewässer: Da gibt es jedes Jahr wenig Nachwuchs. Die Arten, welche die Risikostrategie gewählt haben, können nicht zur anderen Strategie wechseln. Deshalb sind sie durch den Verlust der temporären Gewässer in der Landschaft besonders betroffen.

Der massive Verlust an temporären Gewässern konnte nicht durch den Bau von „Biotopen“ (meist permanent wasserführende Teiche) kompensiert werden. Das Projekt "1001 Weiher" hat zum Ziel, die Dichte an temporären Gewässern in der Landschaft wieder zu erhöhen

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