Fermer
banniere_karch01.jpgbanniere_karch02.jpgbanniere_karch03.jpgbanniere_karch04.jpgbanniere_karch05.jpgbanniere_karch06.jpgbanniere_karch07.jpgbanniere_karch08.jpgbanniere_karch09.jpg

Amphibien fördern im Wald

*** la versione italiana non è ancora disponibile. Leggere la versione francese. ***

 

Der Wald übernimmt als Landlebensraum der meisten Amphibienarten eine sehr wichtige Funktion.

Durch Entwässerungen im vorletzten Jahrhundert gingen viele vernässte Waldbereiche sowie Tümpel und Gewässer, welche zahlreichen Amphibienarten als Laichgewässer dienten, verloren. Damit der Wald diesen Amphibien wieder Lebensraum bietet, sind vermehrt Gewässer neu anzulegen und natürliche Tümpel in dynamischen Flächen (wie z.B. in Rutschhängen, in Bachauen, in Senken und Mulden entwurzelter Bäume, etc.) stehen zu lassen und nicht mit Material aufzufüllen.

Im Waldprogramm Schweiz (WAP-CH 2004–2015) wird die Förderung seltener Arten im Wald explizit als Zielvorgabe aufgeführt. Dadurch ist eine entsprechende Finanzierung für Programmvereinbarungen zur Waldbiodiversität vorgesehen, welche Leistungs-vereinbarungen zwischen kantonalem Waldamt respektive Gemeinde und Waldeigentümer ermöglicht.
 
Stark gefährdeten Amphibienarten wie die Gelbbauchunke, die Geburtshelferkröte, den Kamm- & Teichmolch, den Laubfrosch und den Springfrosch können als Zielarten in den Waldentwicklungsplan (WEP) aufgenommen werden. Die Praxismerkblätter enthalten zur Förderung dieser Arten ausführlichere Informationen.

Welche Arten können im Wald gefördert werden?

Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) lebt in feuchten Laubmischwäldern, besonders in Eschen- und Buchenwäldern.  Als Fortpflanzungsgewässer nutzt er hauptsächlich kleine Fliessgewässer, welche fischfrei und kaum verschmutzt sind.

Zur Förderung des Feuersalamanders sollen neben der Erhaltung naturnaher und fischfreier Fliessgewässer im Wald auch der Anteil Totholz erhöht werden.

Die Gelbbauchunke (Bombina variegata) ist eine Zielart des Waldes.

Die Gelbbauchunke kommt in Laub- & Laubmischwäldern vor, welche zahlreiche temporär wasserführende Kleingewässer aufweisen.

Solche Gewässer können im Rahmen der regulären Waldbewirtschaftung beziehungsweise durch gezielte Vernetzungsprojekte angelegt und unterhalten werden. Bei maschinellen Forsteingriffen können durch Bodenverdichtungen (Maschinenspuren, Holzschleifspuren) Tümpel entstehen, die sehr gut geeignet sind für die Gelbbauchunke.
 
Gemäss dem Waldprogramm Schweiz (WAP-CH 2004–2015) sind grundsätzlich zum Schutz des Bodens Verdichtungen im Wald jedoch möglichst zu minimieren. Zur Förderung der Gelbbauchunke im Wald müssen deshalb konkrete Standorte definiert werden, an welchen im Rahmen eines Förderprojektes einzelne Verdichtungen zur Tümpelbildung zugelassen sind.

 

 

Sowohl der Springfrosch (Rana dalmatina) als auch der Italienische Springfrosch (Rana latastei) sind Zielarten des Waldes.

Der Springfrosch wählt seine Landlebensräume in der Schweiz fast ausschliesslich in Waldgebieten. Nördlich der Alpen sind es vor allem trockene bis frische Waldtypen wie trockenere Ausprägungen des Buchenwaldes, Hagebuchenmischwälder, Eschenmischwälder und Silberweiden-Auenwald, südlich der Alpen Hagebuchenmischwälder sowie Buchen-, Birken-, Edelkastanien- und Erlenbruchwälder.

Günstig scheinen allgemein vor allem Wälder mit einem hohen Anteil an Eichen zu sein, und innerhalb des Waldes werden warme, gut besonnte und krautreiche Stellen in Lichtungen, Schneisen, Sturmholzflächen und an Wegrändern besiedelt. Auch sonnige, gestufte Waldränder bieten günstigen Lebensraum.
 
Der Italienische Springfrosch kommt in feuchten, krautreichen Wäldern vor, in welchen er kleine Fliessgewässer oder Grundwassergespeiste Stillgewässer zur Laichablage nutzt.

 

Der Fadenmolch (Lissotriton vulgaris) ist eine Zielart des Waldes.
Er kommt in strukturreichen Waldgebieten und waldigen Standorten vor und nutzt als Laichgewässer eher kleine und oftmals schattige Gewässer. Der Landlebensraum, dessen Vegetation auch sehr dicht sein kann, liegt jeweils nahe des Gewässers.

Sowohl der Nördliche Kammmolch (Triturus cristatus) als auch der Italienische Kammmolch (Triturus carnifex) sind Zielarten des Waldes.

Auenwälder und lichte, feuchtwarme Laubmischwälder mit einer genügend hohen Dichte geeigneter Gewässer sind für Kammmolche idealer Lebensraum. Liegendes Totholz, Asthaufen und Wurzelstöcke etc. bieten im Landlebensraum Versteckmöglichkeiten.

 

Laubfrosch (Hyla arborea & Hyla intermedia)
Der Laubfrosch ist ein ausgesprochener Auenbewohner und nutzt sowohl besonnte Laichgewässer (Altarme, Tümpel in Auen) als auch Auengebüsche, Auenmäntel, Laubmischwälder sowie Bruchwälder als Land- und Überwinterungsort.
Seine Laichgewässer befinden sich meist in der Nähe zum Wald (Entfernung max. 300 m), an Waldlichtungen oder im Übergangbereich zwischen Flachmoor und Auenwald/- gebüschen. 

Geburtshelferkröte  (Alytes obstericans)
Die Geburtshelferkröte nutzt als Landlebensraum besonnte Waldränder, Waldgruben, Wegböschungen oder locker bestockten Wald, insbesondere in steilen Hanglagen. Auch Rutschpartien, zum Beispiel durch umgestürzte Bäume verursacht, können sehr gut als Landlebensraum der Geburtshelferkröte geeignet sein. Das zur Fortpflanzung genutzte Gewässer ist permanent wasserführend und muss nahe geeigneter Landlebensräume liegen.
Geeignete Standorte zur Neuanlage von Fortpflanzungsgewässern liegen in der Nähe geeigneter Landlebensräume wie besonnter Waldränder, unterhalb steiler, besonnter Hänge oder an (ehemaligen) Grubenstandorten.

Erdkröte (Bufo bufo)
Die Erdkröte nutzt als Landlebensraum häufig Waldgebiete. Die Laichgewässer sind sehr unterschiedlich und können sowohl im Wald, in Waldrandnähe oder auch etwas weiter vom Wald entfernt liegen.
Bei der Förderung von Erdkröten im Wald muss beachtet werden, dass keine (viel befahrene) Strasse zwischen dem Laichgewässer und dem Landlebensraum liegt, da ansonsten zahlreiche Erdkröten bei ihrer Wanderung zum Laichgewässer Gefahr laufen, überfahren zu werden. Falls es keine andere Möglichkeit gibt, sind bereits bei der Planung Massnahmen zur Verhinderung von überfahrenen Erdkröten zu treffen.

Teichmolch (Lisstriton vulgaris)
Der Teichmolch kommt neben Flachmooren und Riedwiesen auch in Auenwäldern und lichten Wäldern mit geeigneten Gewässern vor. Seine Ansprüche im Lebensraum Wald sind ähnlich jenen des Kammolches.

Alpensalamander (Salamandra atra)
Der Alpensalamander kommt in Laub- und Mischwäldern vor, häufig entlang von Bächen und in Schluchten. Zur Förderung des Alpensalamanders im Wald soll der Anteil an liegendem Totholz erhöht werden.

Grasfrosch (Rana temporaria), Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) und Wasserfrösche (Pelophylax sp.) kommen ebenfalls in Waldgebieten vor und nutzen vielfältige Gewässer.  

Welche Gewässer können im Wald angelegt werden?

Details zur Erstellung von Fortpflanzungsgewässern und zum Unterhalt von Gewässern und Landlebensraum sind den Praxismerkblättern   zu entnehmen.

Zur Auswahl der Waldstandorte mit natürlichem Gewässerpotential haben sich als erste Grundlagen Wald-Vegetationskarten sowie eine Begehung mit dem lokalen Förster bewährt.

In Auenwäldern, in der Übergangszone von (ehemaligen) Auenwäldern oder am Waldrand können auf Böden mit Grundwasservorkommen Vertiefungen ausgehoben werden. Die Mulde soll dabei nicht zu tief ausgehoben werden, damit das Gewässer bei tiefem Grundwasserstand austrocknen kann.

Schattenwerfende Bäume und Gehölze sind gezielt auszulichten (insbesondere südseitig), damit das Gewässer besonnt wird.
 

Auf staunassem Untergrund können flache Mulden ausgehoben und die Umgebung so modelliert werden,d assdas Niederschlagswasser in der Mulde zusammenfliesst. Die Mulde soll nicht zu ausgehoben werden, damit sie im Sommer bis Herbst während Trockenperioden auch austrocknen kann. Falls nötig, soll der Untergrund in der Mulde verdichtet werden.

Zur Förderung der Gelbbauchunke sind zusammen mit dem Förster geeignete Waldbereiche für mehrere Tümpelgruppen auszuscheiden. An diesen Standorten sollen Verdichtungen zugelassen respektive gezielt zu Tümpeln ausgebaut werden. Idealerweise sind dies feuchte oder staunasse Standorte, an welchen der Auslichtungsaufwand nicht zu gross ist (z.B. entlang von Waldwegen). Idealerweise sollen mehrere Tümpelgruppen in Abständen von 300–500 m angelegt werden.

Durch fachgerechte Pflege (Auslichten der schattenwerfenden Bäume und Gehölze, Entfernen der Nadelhölzer, Entkrauten eines verlandenden Gewässers) sind bestehende Gewässer in Laub(misch-)wald als Lebensraum für Amphibien zu erhalten.

Wenn kein Grundwasser oder kein dichter Untergrund vorhanden ist, bleibt die Möglichkeit, Gewässer mit künstlicher Abdichtung (z.B. Folie) zu erstellen.  

Gräben und Abzugsgräben im Wald können mit Hilfe einer Spundwand eingestaut werden, sodass stehende Gewässer entstehen. Am besten wird eine regulierbare Vorrichtung eingebaut, damit diese Gewässer bei Bedarf ab Spätsommer bis Winter abgelassen werden können. 

Fliessgewässer im Wald sind der typische Lebensraum des Feuersalamanders und im Tessin auch des Italienischen Springfrosches.

Bestehende kleine, fischfreie Fliessgewässer sollen erhalten bleiben und nicht mit Fischen besetzt werden. Es muss darauf geachtet werden, dass der Düngereintrag in das Gewässer nur minim ist. Eingedolte Bäche sind freizulegen und mit kleinen Staustufen können zusätzliche Kolken geschaffen werden, in welche Feuersalamander gerne ihre Larven absetzen.

Landlebensraum

Alle Amphibienarten brauchen einen geeigneten Landlebensraum in Gewässer-umgebung. Damit das Gewässer und die Gewässerumgebung gut besonnt sind und lichte, kraut- & strauchreiche Stellen gefördert werden, sind Bäume gezielt auszulichten. Altholz, liegendes Totholz, Asthaufen und Wurzelstöcke sind in der Gewässerumgebung als potentiellen Landlebensraum und als Unterschlupfmöglichkeiten zu belassen respektive anzulegen.

Die Geburtshelferkröte hat etwas spezifischere Ansprüche an ihren Landlebensraum. Geeignete Landlebensräume sind Waldränder, bewaldete Rutschhänge und lichte Wälder in Steillagen, welche gezielt ausgelichtet werden, damit lockererdige, offene und besonnte Böschungen entstehen. Wichtig ist, dass solche Böschungen in der Nähe des Gewässers angelegt werden. Gleichzeitig können auch Lesesteinhaufen, Trocken-mauern, verrottende Holzstapel etc. als Versteckmöglichkeiten angeboten werden.